Jagen fängt nicht erst an wenn der Hund weg ist.
Generell ist es wichtig zu sagen, das Jagen ein ganz normales Verhalten ist, zumindest aus der Sicht des Hundes, immerhin hat es ihm in der Geschichte das Überleben gesichert.
Jagdliche Kette
und was davon heute noch übrig ist
Der Wolf, als Urform des Hundes musste für den Nahrungserwerb jagen. Die Jagd lief nach einem inneren Muster ab.
Orten
Der Wolf spürt die Beute mit seinem Geruchssinn oder Gehör auf.
Fixieren
Der Wolf konzentriert sich auf die Beute, fixiert sie oder steht sie vor.
Anschleichen
Annähern an die Beute, ohne das diese flüchtet.
Hetzen
Flüchtende Beute wird verfolgt.
Packen
Die Beute wird gesichert
Töten
ja, gehört auch dazu
Wegtragen
Sichern der Beute
Fressen
Ziel der Jagd.
Der Haushund in Deutschland heute hat die Notwendigkeit der Nahrungsbeschaffung auf diesem Weg nicht mehr und die Merkmale wurden durch die Zucht mehr in den Vordergrund oder den Hintergrund gezüchtet worden. Dennoch ist das Urprogramm noch vorhanden.
Vielleicht wirst Du bei Deinem Hund schon mal das ein oder andere beobachtet haben.
- Schnüffelt am Boden und pendelt suchend hin und her? –> er jagd: Er sucht nach etwas ortenbaren
- Schnüffelt am Boden und zieht zielgerichtet in eine Richtung? –> er jagd: er weiß wo er lang muss
- Reckt die Nase in die Luft, kaut die Luft? –> er jagd: er orientiert sich
- Starrt ein Objekt an oder verfolgt mit großer konzentration etwas bewegliches? –> er jagd: er fixiert
- Läuft Vögeln, Katzen oder anderen sich schnell bewegenden Ojekten nach –> er jagd: er hetzt
- Läuft im Spiel meist den anderen Hunden nach –> möglicherweise jagd er auch hier.
- Packt und schüttelt sein Spielzeug? –> er jagd.
- Er sichert seine Beute und zerkaut sie in seinem Körbchen? –> auch das gehört zum Jagen
Was ist denn nun das Problem?
Jagdverhalten ist selbstbelohned, das beudeutet, es macht Spaß und der Hund wird es auf Grund des ausgeschütteten Hormoncocktails wieder tun, ob er zum Erfolg gekommen ist oder nicht und auch ob wir ihn dafür Loben oder nicht. In dieser Zeit ist der Mensch abgeschrieben.
Im Haus lassen sich Jagdaktivitäten noch verniedlichen, diese zu kontrollieren wird draußen aber zunehmends schwieriger. Das sich daraus weitere Themen ergeben, liegt auf der Hand.
Und Nu?
Kontrollieren und Kanalisieren
Ein Wort zur Realität: Antijagd Training ist Mumpitz, ein so tief verakertes Programm zu löschen ist eher ein Ding der Unmöglichkeit, es spielen so viele Faktoren eine Rolle und die Glückshormone wollen wir doch dem Hund auch gar nicht gänzlich nehmen.
Die gute Nachricht: Jagdverhalten lässt sich aber kontrollieren und ihr seid nicht alleine in dieser Situation. Um das jagdliche Interesse des Hundes zu kanalisieren, kann man ihm adäquate Beschäftigung anbieten. Dazu gehören Nasenarbeit, Apportieren und Bewegung. Nicht so populär aber ein Fakt: mit einer soliden Grunderziehung kann man das ein oder andere Problem schon kleiner bekommen. Ganz praktische Dinge wie: Leinenführung, Rückruf, Abbruch, Kommunikation und Orientierung am Menschen. Da ist er wieder, der Mensch. Ja, auch auf Dich kommt es an. Lerne Deine Umgebung und Deinen Hund einzuschätzen. Ist hier ein guter Ort für Freilauf? Kann ich hier die Führung sein, die mein Hund braucht um sich an mir zu orientieren?
Warum jagdliche Ersatzbeschäftigung?
Kooperation und Auftrag
Zum Tragen kommen hier zwei Aspekte. Zum einen ist hier hervorzuheben, dass für den Hund Jagd, Jagd ist. Ob auf Wild oder auf „Stoffsäckchen“ wie beim Dummy, die ausgeschütteten Hormone sind gleich. Und zum anderen handelt es wir hier, wie bei jagdlich geführten Hunden auch um eine beauftragte Jagd. Also eine Jagd die im Auftrag und ganz besonders in Kooperation mit dem Menschen stattfindet. Das schweißt zusammen, schafft Vertauen, stärkt die Beziehung – und macht neben bei noch richtig Spaß.